Eine Million ist in Zahlen geschrieben natürlich 1'000'000, nur können die Wenigsten etwas damit anfangen.

Viele wissen zwar, dass ein Haus in der Schweiz heute schnell einmal 1'000'000.— CHF kostet, aber so richtig relativieren vermögen diese Zahl nur die Wenigsten, wie Psychologen schon seit geraumer Zeit wissen.

Wie erklärt man es am besten, dass es für uns wohlbehüteten Erdenbürger ebenfalls verständlich wird?

  • Das bedeutet, dass wenn Du heute in einem Jahr ein Brot kaufst, du daran denken solltest, dass du dir vor einem Jahr (nämlich heute) für das selbe Geld Brot für über 27 Jahre hättest kaufen können.
  • Oder es heisst, dass wenn du heute in einem Jahr ein Kilo Brot kaufst, du ein Jahr zuvor für gleich viel Geld noch ein Mitteklasseauto hättest leisten können.
  • Es heisst aber auch, dass wenn du dir in einem Jahr ein Mittelklasse-Handy kaufst, du ein Jahr zuvor für dasselbe Geld noch eine Villa bekommen hättest, die etwa so aussehen könnte:

  • Und es heisst, dass wenn du morgen ein Kilogramm Brot kaufst anstatt heute, du morgen lediglich noch etwa 40 Gramm für dasselbe Geld bekommst. Das reicht nicht einmal, um sich selber zu ernähren, geschweige denn eine Familie.

Dies sind die Dimensionen der Tragödie, welche in Venezuela 2018 abspielt. Sie treibt immer mehr Menschen in die Flucht in ein benachbartes Land, wie beispielsweise Kolumbien. Es ist ein unvorstellbarer Gedanke, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Situation vor einigen Jahren noch umgekehrt war und Venezuela Kolumbianische Flüchtlinge aufnahm.

Ich denke an die Menschen dort und leide mit ihnen, denn ich weiss, dass ich ihnen nicht helfen kann. Auch du und ich können ihnen nicht helfen, solange diese autokrate Regierung rund um Maduro das Zepter nicht endlich aus der Hand gibt. Aber freiwillig wird er das kaum tun und so einfach so in das Land einzumarschieren, wie sich das einige vorstellen, ist do wohl kaum das geeignetste Mittel. Die Menschen in Venezuela würden sicher als Schutzschilde genommen. Zudem sind die Schergen von Maduro über das ganze Land verteilt.
Darf eine noch nicht bestimmte Anzahl von Menschen geopfert werden, um andere zu retten? Wer übernimmt da die Verantwortung? Kann man diese Verantwortung überhaupt auf sich nehmen? Spenden nützen ja auch nicht so viel, denn im Moment käme das Geld wohl kaum zu den Menschen, die es wirklich benötigen.
Wenn wir jedoch nichts tun, werden auch ohne Invasion tausende von Menschen sterben. Es ist wieder einmal eine Situation der Machtlosigkeit, die einen übermannt. Eine Situation, die man nicht zu nahe an sich herankommen lassen darf, weil man sie nicht ertragen würde. Tief in mir drin bleibt jedoch das schlechte Gewissen, einfach wegzuschauen und nicht mindestens zu versuchen, etwas dagegen zu tun. Und ebenfalls nicht weichen will dieses grosse Staunen. Das Staunen,dass es Menschen gibt, die so abgrundtief schlecht sein können und ihr eigenes Volk sterben lassen.

Der Eine oder Andere mag jetzt wohl denken: «Jeder hat die Regierung, die er verdient». Diejenigen, die so denken, machen es sich jedoch ganz bestimmt zu einfach. Ich kann mir kaum vorstellen, dass irgendein Mensch in Venezuela diese Regierung mit der Absicht gewählt hat, dass diese den Staat so zugrunde richtet.  Wie so oft in der Geschichte ist es so, dass einer an die Macht gelangt, danach alle rechtsstaatlichen Institutionen ausgehöhlt oder vernichtet werden, bis man plötzlich Alleinherrscher ist. Und wenn es die Masse dann plötzlich merkt, ist der irreversible Schaden bereits angerichtet.

Alle Augen sind derzeit nach Venezuela gerichtet. Aber die Regierung in Venezuela ist nicht die Einzige, die so verdorben handelt.

Es ist einer der Momente, in denen ich bescheiden, glücklich und dankbar werde, weil ich in so einem freien Land mitten in Europa leben darf, wie es die Schweiz. Tragen wir Sorge zu unseren Institutionen und unseren «Nachbarn», Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Wir wissen gar nicht, wie glücklich wir uns schätzen können, solche Menschen zu unseren Nachbarn zählen zu dürfen.

 

 

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