Der Aufschei ist gross; «wie konnte das passieren»! Ein wenig Selbstreflexion wäre angebracht.

Der Aufschei ist gross; «wie konnte das passieren»! Hat doch diese böse, böse Firma Facebook Profildaten an Cambridge Analytica weitergegeben, welche sie dann schamlos ausgewertet und für unlautere Handlungen verwendet. Ob man diese nun heute als ethisch verwerflich oder gar als kriminell bezeichnen will, sei zur Beurteilung anderen überlassen.

Fakt ist, dass dieser Aufschrei an Scheinheiligkeit beinahe nicht mehr zu überbieten ist. Während man bei Otto-Normalverbraucher, dem durchschnittsgebildeten Mittelständler, vielleicht noch ein Auge zudrücken kann, wenn dieser argumentiert, dass er mit einem solchen Datenmissbrauch nie gerechnet hätte und es nie für möglich gehalten hätte, dass die Menschheit dermassen manipuliert wird.

Während in der Antike die Menschen noch mit Brot und Spielen (panem et circenses) beeinflusst, Opositionelle den Löwen zu Frass vorgeworfen oder anders mundtot gemacht wurden, verfügt man heute über ganz andere subtilere Mittel, um Menschen zu beeinflussen; das Internet mit seinen Kommunikationsmöglichkeiten hat heute die Führungsposition bei der Manipulation von Menschen übernommen.
Aber das Internet ist nicht irgendwer. Das Internet besteht aus Geräten, welche von Interessensgemeinschaften betrieben werden, um einen gewissen Zweck zu erfüllen und bestimmte Ziele zu erreichen. Solche Interessensgemeinschaften sind in der Regel Firmen wie Google, Facebook, Twittwer, Amazone oder wie sie auch immer heissen mögen. Aber auch kleinere, weniger prominente Gemeinschaften dienen immer einem bestimmten Zweck. Die teilweise Riesigen Gewinne, welche solche Unternehmen erwirtschaften, sollten Beleg genug dafür sein, dass es sich bei diesen Gemeinschaften nicht primär gemeinnützige Non-Profitorganisationen handelt. Die Tatsache, dass beispielsweise weder eine Facebook-Mitgliedschaft etwas kostet, noch eine Google-Suchabfrage den Geldbeutel belastet, bedeutet somit nichts anderes, als dass die betreffenden Firmen andere Einnahmequellen haben, damit sie ihre Dienste gratis zur Verfügung stellen können. Wer sich die Frage, woher diese Firmen denn ihr Geld haben, nicht bereits vor Jahren gestellt hat, der hat wirklich ganz sorglos gehandelt, wollte einen Trend nicht verpassen, oder es war ihm einfach egal.

Als ich vor Jahren im Freundeskreis davor gewarnt hatte, in den sozialen Medien wie Facebook zu viel Persönliches Preis zu geben, wurde ich mitleidvoll belächelt und aufgrund meines Berufes zum IT-Paranoiker abgestempelt. «Ich habe nichts zu verstecken», war die Antwort. «So interessant bin ich auch wieder nicht». Als ich bereits vor Jahren meine Kollegen davor warnte, sich zu sehr auf Google-Abfragen zu verlassen, bekam ich wenig verständnisvolle Blicke zur Antwort. Eine etwas übertriebene Darstellung der «unkontrollierten Weltmacht» wurde im Buch «die Google-Falle» von Gerald Reischl publiziert.

Bekanntlich gibt es zwischen weiss und schwarz noch viele Farbnuancen. Anstatt uns nun darüber aufzuhalten, ob Firmen wie Google wirklich wie von Geralt Reischl dargestellt so machtbesessen sind, oder ob solche Literatur als Angstmacherei oder reine Verschwörungstheorien abgestempelt werden soll, sollten wir uns einfach etwas zurücklehnen, uns gewisse Fragen stellen und versuchen, uns diese anhand von Fakten und Tatsachen zu beantworten, werden wir sehr schnell feststellen, dass wir uns irgendwo im farbigen Spektrum bewegen. Welche Farbnuance unser Standpunkt hat, muss jeder selber wissen.

Aber, wenn wir uns schon vor Jahren gewisse Fragen wie

·         Was will die Facebook-Gemeinschaft mit ihrem Produkt wirklich erreichen?

·         Womit verdienen sie genau wie viel Geld?

·         Wie lauten die allgemeinen Geschäftsbedingungen, welche wir akzeptiert haben?

·         Was ist der grösstmögliche Schaden, den meine Beiträge bei mir anrichten können?

·         Was ist der grösstmögliche Schaden, den mein Mitwirken für die Allgemeinheit bewirken kann?

·         Wie wirkt sich der Konsum oder das Mitwirken auf mein soziales Verhalten oder das soziale Verhalten meiner Umgebung aus?

gestellt und grundlegende Selbstreflexion geübt hätten, anstand einfach mit dem Argument unüberlegt auf einen Trend-Zug aufzusteigen, dass die Anderen es ja auch machen, müsste heute niemand aufschreien und mit den Fingern auf die doch so bösen, bösen Serviceanbieter zeigen.

Denn eigentlich ist dieser Aufschrei lediglich das Eingeständnis, dass wir selber (ich, meine Umgebung, Fachleute, Soziologen, die Behörden, der Staat) zu blöd waren, diese Entwicklung frühzeitig zu erkennen und dagegen etwas zu unternehmen. Vielmehr müssen wir selber zur Kenntnis nehmen, dass wir nicht besonnener handeln als unsere Kinder, welche das Feuer erst fürchten lernen, wenn sie einmal gebrannt wurde.

Die nächsten grossen Aufschreie dürften in ferner Zukunft einmal zu hören sein, wenn ein «unvorstellbarer» Super Gau bei den Cloud-Diensten eintritt, was gemäss Experten nur eine Frage der Zeit sein dürfte, oder unsere persönlichen Daten, welche wir beispielsweise auf unseren Fitness-Trackern oder bei unseren Krankenkassen hinterlegen, zweckentfremdet werden. Auch hier werden einige von uns heute sicher auch mit grosser Überzeugung sagen: «Alles nur Schwarzmalerei»! Und vermutlich werden es dann genau die sein, welche dereinst am lautesten schreien.

 

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